Zum Tod von Bobby Turton

Unter allen Badminton-Maniacs dieser Welt war Bobby Turton einer der verrücktesten – ein feuriger Nimmersatt, der am liebsten täglich und unter allen Umständen, auch krank, verletzt oder anderweitig unpässlich, die Trainingshalle aufsuchte. Badminton war für ihn mehr als nur Sport und Hobby, Badminton war seine stärkste Leidenschaft und sein Lebenselixier. Ein Spiel zu verlieren war stets schlimm für ihn, aber schlimmer noch war es, überhaupt nicht spielen zu können.

Seine lange Badminton-Laufbahn begann in Island, wo er, obwohl in Schottland geboren, große Teile seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Mit pfundschweren hölzernen Rackets jagte er auf der kleinen, eisigen Insel schon früh den Federbällen hinterher. Einer seiner größten Triumphe war der Gewinn der Iceland Open in den 60ern. Auch bedingt durch seine langjährige Tätigkeit als Fernbusfahrer (er pendelte zeitweise zwischen Holland und Indien hin und her) waren die Badminton-Hallen der unzähligen Länder, die er bereist hat, immer so etwas wie sein zweites Wohnzimmer.

Ende der 90er Jahre stieß Bobby in Frankfurt zur Badminton-Abteilung der FTG, wo ich ihn kennenlernen durfte. Hinter einer zuweilen mürrisch-verschlossen wirkenden Fassade, die offensichtlich seiner Schüchternheit geschuldet war, entpuppte sich für mich bald ein hilfsbereiter, einfühlsamer und treuer Charakter, der mich über zwei Jahrzehnte als Freund begleitet hat. Als Senior Mitte 50 verblüffte er bereits damals alle mit seinen spielerischen Fähigkeiten und seiner bewundernswerten körperlichen Fitness. Unzufrieden mit den Rahmenbedingungen (nur ein Trainingsabend pro Woche und keine Teilnahme am Ligabetrieb) tat er sich 1999 mit anderen badminton-begeisterteten FTG-Mitgliedern zusammen, um einen neuen Verein zu gründen – den ABC Frankfurt. Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu behaupten, dass es den ABC Frankfurt ohne Bobby heute nicht gäbe. Er war der erste Sportliche Leiter in der Vereinsgeschichte und mit seiner Leidenschaft der stärkste Entwicklungsmotor in den ersten Jahren des jungen Vereins. Er absolvierte erfolgreich den C-Trainer-Lehrgang und war im Anschluss auch der erste Trainer in der Geschichte des ABC.

Nach einigen Jahren intensiven Engagements für den ABC fand Bobby beim 1. FBC Frankfurt neue Aufgaben, wo er lange Zeit als Kinder- und Jugendtrainer sowie als Breitensporttrainer tätig war – seine Fähigkeiten weiterzugeben, insbesondere im Bereich des Doppelspiels, war für ihn immer ähnlich wichtig wie selbst auf dem Platz zu stehen. Durch seine Teilnahme am Turnierbetrieb, insbesondere an regionalen und überregionalen Senioren-Meisterschaften in den Altersklassen O60, O65 und O70, war er auch weit über den Frankfurter Raum hinaus in der Badminton-Szene bekannt. Zuletzt hatte er sich in mehreren Badminton-Vereinen im Umkreis seiner neuen Wahlheimat Birstein im Vogelsbergkreis als Trainer, Ratgeber und Motivator sowie als enthusiastischer Doppelspieler engagiert. Weder seine Diabetes-Erkrankung, noch ein Bandscheibenvorfall noch andere alterstypische Einschränkungen haben es letztlich geschafft, ihn dauerhaft vom Badminton-Court fernzuhalten.

Bobby Turton starb am vergangenen Dienstag völlig unerwartet im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Birstein. Wir bleiben ihm in Trauer und dankbarer Erinnerung verbunden.

Bernd Liebermann
für den ABC Frankfurt

3 thoughts on “Zum Tod von Bobby Turton”

  1. Harald Guha

    Das ist vielleicht der schönste Nachruf, den ich seit ewigen Zeiten gelesen habe. Ich habe Bobby auch beim ABC noch erlebt und was du beschreibst, passt sehr gut zu den Erinnerungen, die nun aufleben.

    Vielen Dank!

  2. Heidi Mohr

    Lieber Bernd,
    Danke für diesen so zutreffenden Nachruf und die Würdigung. Das hätte Bobby sehr gefallen, er hat sich über die Ehrenmitgliedschaft vom ABC sehr gefreut.
    Danke, Heidi

  3. Heiko Neugebauer

    Ich kann es nicht glauben. Es ist unvorstellbar, dass Bobby nicht mehr unter uns ist. Mein Mitgefühl gilt Heidi. Danke Bernd für die sehr treffenden Worte. Heiko

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